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Ich muss durch den Monsun, hinter die Welt“ sang Bill Kaulitz 2005 in dem Song, der ihn und die Band Tokio Hotel berühmt machen sollte. Schon damals wurde Regisseur Oliver Schwabe auf die Band aufmerksam: „Ich fand es interessant, dass Bill damals eigentlich alle Codes des Undergrounds oder der Subkultur, auf seine Person vereinigt hat, aber eben trotzdem im Mainstream stattgefunden hat“. Geführt von seinem Interesse versuchte er Kontakt aufzunehmen, scheiterte aber an dem Erfolg und der damit verbundenen Nachfrage nach Tokio Hotel: „Ich habe in der Zeit [2005] auch einen Film gemacht und da habe ich dich [Bill] auch drauf angefragt, aber ich bin garnicht zu dir durchgekommen. Das war damals noch etwas schwieriger.“
Heute, 12 Jahre später, feiert der gemeinsame Film Hinter die Welt Premiere auf dem Kölner Filmfestival. Im Rahmen der Lecture Beuys will be Beuys – Lust auf Kunst, die sich mit Künstlerportraits beschäftigt,  erzählten Oliver Schwabe und Bill Kaulitz wie es zu dem gemeinsamen Film kam, wie der Entwicklungsprozess war und sie resümieren wie der Film auf die Band Tokio Hotel schaut.

„Quatsch nicht so viel. Komm einfach mal vorbei!“

Zwei Jahre lang begleitete Oliver Schwabe Tokio Hotel punktuell auf Touren, ins Studio und in ihre Lebenswelten. Zu Beginn der Zusammenarbeit fanden Gespräche statt, bis Bill den Regisseur recht plötzlich in seine Welt einlud: „Es gab Skype-sessions und da hat Bill dann irgendwann mal gesagt: ‚Weißt du was? Quatsch nicht so viel. Komm einfach mal vorbei. Dann sieht du was möglich ist‘. Ich bin dann sofort nach Mexiko geflogen, kam abends an, morgens um sechs Uhr dann direkt zum Flughafen und hab dann da gewartet bis die dann irgendwie aus dem Gate kommen.“
Was Schwabe dann erlebte, zeigt der Teaser zum Film:

Bill Kaulitz: „Es hat sich immer gemeinsam angefühlt“

Für Tokio Hotel war schnell klar, dass sie den Dokumentarfilm machen möchten: „Weil wir wussten das ist eine Zusammenarbeit und nicht nur jemand, der einen reißerischen Film machen will. Es hat sich immer gemeinsam angefühlt. Es war auch so, dass wirklich viele Missverständnisse da waren. Sachen, die immer geredet wurden. Jetzt hatten wir auch mal die Möglichkeit unsere Geschichte wirklich ausführlich zu erzählen.“
Doch, dass es nicht leicht ist eine fremde Person in seine Welt eintauchen zu lassen, dem war sich Oliver Schwabe, der für seine Dokumentarfilme schon hinter viele Welten blicken durfte, vor den Dreharbeiten bewusst. So bot er Tokio Hotel eine finale Endabnahme an, was beide Seiten als grundlegende Vertrauensbasis für die gemeinsame Arbeit verstanden und von Schwabes Team kritisch beäugt wurde: „Das ist eine Abmachung, wo meine Kollegen gesagt haben ‚Bist du wahnsinnig?‘“
Die Endabnahme gab Bill das Gefühl  sich vollkommen auf den Film einlassen zu können: „Das war für uns der Finale Punkt dann auch zu sagen: ok, komm. Dann versuchen wir es einfach. Und wenn es scheiße wird, dann wird’s halt scheiße und wenn nicht, dann haben wir einen guten Film. Ich glaube wir haben einen guten Film.“

Eine weitere Hürde, die Schwabe bewältigte, war es, während er die Band auf ihrer Tour nach Russland begleitete, in die Tokio Hotel Welt einzutauchen. Nicht nur mit ihr mitzugehen, sondern ein Teil von ihr zu sein. Schwabe berichtet, dass er nicht nur auf die Band Tokio Hotel traf, als die Dreharbeiten sich intensivierten, sondern auf eine komplette Familie, die sich über die Jahre rund um die Band gebildet hatte. Eine Familie, die die Band laut Schwabe bilden musste, um die vergangen zehn bis fünfzehn Jahre durchzustehen. Wie er damit umgegangen ist, erzählt er wie folgt:  „Man kommt da wirklich in eine Familie rein. Das dauert dann auch erstmal, bis man da auch was sagen darf. Aber da habe ich dann abgewartet, hab einfach gewartet bis ich dran war.“

„Das ist wie so ein Peter Pan, wie ein Märchen.. Man sieht das auch in diesen Augen!“

Nachdem Schwabe selber Teil der Welt von Tokio Hotel geworden war, begleitete er die Band auf ihrer Dream Machine Tour nach Köln, Paris und erneut nach Russland. Schwabe sieht den Kontrast, den er in Russland wahrgenommen hat zwischen dem Land und der Band als besonders inspirierend und zeichnet anhand dessen, im Gespräch, den Erfolg und das Phänomen rund um Tokio Hotel nach: „Deswegen wollte ich auch nochmal mit nach Russland. Da haben wir auch drüber gesprochen, weil da macht es natürlich für mich fast noch mehr Sinn, wenn ich in Novosibirsk bin, wo alles grau ist und es Ende April noch geschneit hat. Dann kommen die in die Halle und das ist wie so ein Peter Pan, wie ein Märchen. Man sieht das auch in diesen Augen [der Fans]. Das ist ein Versprechen von einer anderen Welt und das macht für mich komplett Sinn und hat eine vollkommene Legitimation.“

Diesen Kontrast, nicht nur zwischen den Lebenswelten der Bandmitglieder, die sich in Magdeburg und Los Angeles abspielen, sondern auch den Kontrast zwischen dem, was Tokio Hotel mit ihrer Musik und sich als Person auslösen im Kontrast zu der Lebenswelt und dem Alltag ihrer Fans, spiegelt der Dokumentarfilm mit eindrucksvollen Aufnahmen der verschiedenen Welten rund um Tokio Hotel wieder. Schwabe blickt mit dem Film, nicht nur auf das Konstrukt der Band, sondern auch auf die einzelnen Mitglieder, zu denen der Film allerhand Neues erzählt.  Gustav Schäfer und Georg Listing, die sich gerne im Hintergrund aufhalten, berichten erstmals wie sie den plötzlichen Umzug von Bill und Tom Kaulitz nach Amerika und die damit verbundene gezwungene Auszeit wahrgenommen haben. Außerdem blicken sie in ihrer Heimat Magdeburg auf Band-historische Plätze, wie das Gröninger Bad oder ihren alten Proberaum. So gelingt Oliver Schwabe mit Hinter die Welt der Blick auf eine weitere Welt: die Geschichte von Tokio Hotel, die sich durch die Erinnerungen und Erzählungen von Gustav und Georgs ein Stück weiter komplettiert.

Teil 2: Der Blick hinter Tokio Hotel. Bill Kaulitz spricht über die anderen Bandmitglieder, Ängste und Selbstbewusstsein (folgt!)

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5 Comments

Bill Kaulitz: "Jetzt hatten wir auch mal die Möglichkeit unsere Geschichte wirklich ausführlich zu erzählen"

  1. Es ist ein wunderschöner Dokumentarfilm geworden. 😍🔝👍👌👏 Erinnerungen wurden wach. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Bin jetzt fast 12 Jahre Tokio Hotel Fan, werde es auch immer bleiben. 👽 Bin mit TH durch Höhen und Tiefen gegangen. Sie sind das Beste,was mir je passiert ist auf dieser Welt. ❤❤❤❤ Freue mich schon jetzt auf die DVD, auf die Tour und alles was sonst noch von den Jungs kommt 🤗🙃🤗 Vielen Dank für diesen mega hammer schönen Film 😘😘

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